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Beim traditionellen Fischmarkt werden die Töpfe und Pfannen der teilnehmenden Gastronomen von Donnerstag bis Sonntag, 12. bis 14. Juni heiß glühen. Und das musikalische Rahmenprogramm sorgt für eine Wohlfühlatmosphäre auf dem Markplatz.

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City Marketing Nachrichten

SZ/BZ Nachrichten

„Wie es längst Sitte ist und Brauch, so halten wir es heute auch. Denn bei des Lebens Last und Plag findet sich selten ein froher Tag.“ Dieser Reim vom 20. Mai 1907 ist die bislang älteste schriftliche Spur der Sindelfinger Jahrgangsfeiern, deren Wurzeln wohl weit bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Es gibt keinen Verein, der die Tradition weiterführt, aber in den Sindelfinger Familien ist das Pfingsttreffen, das es in dieser Form nirgendwo anders gibt, tief verankert.

Für Max Kohler ist das Fest, das zunächst im Zehn-Jahre-Rhythmus und mit fortgeschrittenem Alter alle fünf Jahre die ehemaligen Schulkameraden und Altersgenossen vereint, ein Muss. Der heute 80-jährige Landwirt, der in den 1970er Jahren nach Kanada ausgewandert ist, hat jedes Mal das Flugticket in Übersee für die alte Heimat gebucht. „Es war wohl Fernweh, das mich hinaus getrieben hat“, sagt Max Kohler im Haus Sommerhof, wo der Jahrgang 1934/1935 mit Vorstand Gerhard Springmann die stärkste Gruppe 2015 stellt, in der zum Beispiel Christa Hornikel mitfeiert.

Seinen kleinen Hof an der Böblinger Straße, gleich neben der Ölmühle, hat Max Kohler, der wie viele Sindelfinger aus einer alten Weber-Familie stammt, bald aufgeben müssen, wurde ins Käsbrünnle ausgesiedelt, wo aber schnell klar war, dass Daimler-Benz das Grundstück für die Autofabrik brauchen würde. Vor einer erneuten Aussiedlung zieht Max Kohler die Reißleine und geht mit seiner Frau nach Manitoba, der östlichsten Prärie-Provinz Kanadas: „Das war die große Freiheit in einem Land ohne Grenzen.“ Das Hofgut Geroldseck, das sich der Landwirt in Sulz am Neckar später zulegt, ist mit seinen 150 Hektar gerade mal ein „Gärtle“ für Max Kohler.

Seit dem Tod seiner Frau Gunhilde, die ihn als alte Sindelfingerin regelmäßig zu den Jahrgangsfesten begleitet, hat Max Kohler seine Farm in Manitoba verpachtet, lebt aber weiter hauptsächlich in Kanada. Zum Pfingstgottesdienst in der Martinskirche haben ihn 2015 Tochter Andrea Schneckenburger und die Enkel Tanja, Markus und Katja begleitet: „Solch eine Tradition gibt es bei uns nicht und wir finden es voll schön, die Schulkameraden unseres Großvaters hier zu sehen.“

Fünf Jahre älter als Max Kohler ist Ludwig Heinkele, der einst aus Dätzingen nach Sindelfingen kam und beim Daimler sein Berufsleben verbrachte. Der Jahrgang 1930/1931 mit Otto Hornikel, dem 2015 ältesten Vertreter der mit der Pfingsttradition eng verbundenen Sindelfinger Familie, hat seine Spezialität, die regelmäßigen Wanderungen, aufgegeben, trifft sich aber von Zeit zu Zeit im Restaurant des Hotels Erikson.

Das monatliche Treffen hat der Jahrgang 1925 beibehalten, der sich nach dem Gottesdienst gleich im Gasthaus Hirsch trifft. Die Senioren wie Hilde Gehrlach, Annemarie Gramer, Ruth Mayer, Lotte Seeger oder Irmgard Rauch erinnern sich noch an ihre Eltern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Zylinder und Ausgehrock zur Martins-kirche gepilgert sind. „Das war eben ein Festtag für die Stadt“, sagt Hilde Gehrlach, die 1925 in Sindelfingen geboren und bis zu ihrem Ruhestand 1985 über 40 Jahre lang auf dem Rathaus gearbeitet hat.

Vor ein paar Jahrzehnten ist es noch gang und gäbe, dass das Rathaus die Informationen über Alter, Mädchenname oder Familienstand freigibt, die Jahrgänge eigentlich brauchen, heute aber wegen des Datenschutzes nicht mehr bekommen. Irmgard Schneider und Wolfgang Dörich, die den Jahrgang 1940 organisieren, haben noch die Liste mit den Namen der 164 Konfirmanden, die 1954 die Schule abgeschlossen haben. Sie waren die ersten Sindelfinger Kinder, die 1946 mit den ersten Flüchtlingen in Klassen kamen, in denen Lehrer über 50 Schützlinge zu betreuen hatten.

„Sie sind groß geworden in einer Zeit des Mangels, aber in den Frieden hineingewachsen“, sagt Martina Kugler über den Jahrgang 1945, der unter der Federführung von Gerlinde Drechsler und Horst Dittmann 2015 gleich fünf Neuzugänge zu verzeichnen hat. Erstmals dabei ist Inge Philippscheck, die über die Feier der goldenen Konfirmation zum Jahrgang gekommen ist.

Dabei im Hotel Erikson ist wieder Ursula Bäumler-Hein, die Tochter von Sindelfingens erstem Oberbürgermeister Arthur Gruber, die mit ihrer Familie Mitte Mai den Handwerkermarkt in der Altstadt organisiert hatte. Dabei ist aber auch Ursula Fujike, die ehemalige Kita-Chefin der Stadt, die über das „Felix“-Projekt des Liederkranzes zum Jahrgang gekommen war: „Solche Traditionen stiften eine Identität in der Stadt.“

Neuzugänge verzeichnet Christel Hoffmann im Jahrgang 1955, sieht aber die „erstaunliche Tendenz“, dass die Gruppe im Vergleich zur 50er-Feier geschrumpft ist: „Wir versuchen, künftig öfter Treffen zu organisieren.“ Margret und Ottmar Kellner aus Darmsheim, Dr. Götz Basse und Dr. Klaus Lutz haben als Neulinge das Programm genossen, dem Jahrgangskollegin Sylvia Weller-Pahl mit einer Stadtführung ein Glanzlicht aufgesetzt hat.

„Super gelaufen“ ist dagegen die Premiere des Jahrgangs 1965, den Elke Klengel und Beate Rentschler managen. Im Restaurant Viola ist der Hornikel-Clan gleich mit vier Mitgliedern vertreten. „Ich wohne zwar nicht mehr in Sindelfingen, aber ich kenne die Tradition als kleines Kind“, sagt Gabi Schallenberg, deren Mutter Christa Hornikel im Haus Sommerhof feiert: „Für mich war es klar, dass ich mitmachen würde und ich bin begeistert, dass es die Jahrgangsfeiern in Sindelfingen immer noch gibt.“

Im Viola gibt es eine Generalprobe für das nächste Familientreffen: Am Tisch sitzen Vetter Frank Hornikel, Base Brigitte Wirth und deren Mann Volker. Nächstes Jahr geht die Hornikel-Geschichte weiter. Gabi Schallenbergs Vater Rudolf Hornikel ist Chef des Jahrgangs 1931/1932 und feiert 2016.

Die ältesten Teilnehmer vom Jahrgang 1925 mit Lotte Seeger, Ruth Mayer, Annemarie Gramer, Irmgard Rauch oder Hilde Gehrlach sitzen beim Gottesdienst in der Martinskirche, den erstmals Pfarrerin Martina Kugler gehalten hat, in der ersten Reihe. Für die Musik sorgte Markus Nau und ein Blechbläser-Ensemble der Stadtkapelle. Bilder: Stampe

Eine Familie in der Sindelfinger Pfingsttradition (linkes Bild): Otto Hornikel feierte 2015 bei den 85-Jährigen, Christa Hornikel bei den 80ern, während Volker Wirth, seine Frau Brigitte, Gabi Schallenberg und Frank Hornikel (von links) ihre Premiere mit dem Jahrgang 1965 hatten. Von seinen Enkeln Katja, Markus und Tanja Schneckenburger (rechtes Bild) lässt sich der in Kanada lebende Max Kohler (Jahrgang 1935) in die alte Heimatstadt begleiten.

Die jüngsten Teilnehmer am Pfingstgottesdienst aus dem Jahrgang 1965 stellen sich um ihre Sprecherinnen Elke Klengel und Beate Rentschler zum obligatorischen Gruppenbild vor den Turm der Martinskirche.

Gleichzeitig wandeln Jutta und Jürgen Hubbert ihre Zustiftung in einen Namensfonds um. Nach Dr. Axel Schäfer steht das Ehepaar Hubbert damit für den zweiten Namensfonds der Bürgerstiftung. Ein Namensfonds hat für Stifter den Vorteil, dass man sich den großen Aufwand einer Stiftungsgründung und -verwaltung sparen kann. Außerdem ist der Namensfonds auf die persönlichen Ziele der Stifter ausgerichtet.

Im Fall des früheren Daimler-Vorstands und seiner Frau soll explizit die Jugend-Bürgerstiftung aus den Erträgen des Namensfonds über 100 000 Euro profitieren. Festgelegt haben die Stifter auch, dass sie zu Lebzeiten den Ertrag jährlich auf einen Mindestbetrag erhöhen, falls die Zinsen weiter auf Rekordtief bleiben.

Die Jugend-Bürgerstiftung wird mit diesem Geld eine neue Gesprächsreihe unter dem Titel „Sindelfingen aktuell“ ins Leben rufen und einen neuen Kreativ-Wettbewerb ausloben.

„Für die Bürgerstiftung ist das ein besonderer Tag“, sagte ihr Vorsitzender Dr. Joachim Schmidt. Die Erhöhung der Zustiftung „ist mehr als großzügig“ und unterstreicht die Verbindung des Ehepaars Hubbert mit Sindelfingen und der Bürgerstiftung, so Joachim Schmidt. Jürgen Hubbert und seine Frau leben seit 50 Jahren in Sindelfingen. Jutta Hubbert, geborene Bernlöhr, war an mehreren Sindelfinger Schulen, zum Beispiel im Klostergarten und auf dem Goldberg, Lehrerin. Jürgen Hubbert war der Gründungs-Vorsitzende und stand bis 2014 an der Spitze der Bürgerstiftung.

Bei der Bürgerstiftung freut man sich über dieses positive Signal. „Wir brauchen Zustiftungen und Namensfonds, um unsere großen Projekte aus eigener Kraft stemmen zu können“, sagt Finanzvorstand Thomas Wagner.

Ein Blumenstrauß als Dankeschön: Dr. Joachim Schmidt (rechts) mit Jutta und Jürgen Hubbert gestern im Sindelfinger Rathaus. Bild: Stampe

Sindelfinger Finanzen: So toll wie in den letzten sechs Monaten ist die Achterbahn-Fahrt der Gewerbesteuer noch selten gelaufen. Eine langfristige und klare Planung ist nicht möglich. Das sagt Dr. Björn Demuth, Spezialanwalt der CMS-Kanzlei und macht klar, dass auch ein von der Gemeinde extra bestellter Betriebsprüfer den 62-Millionen-Euro-Rückzahlungsschock Ende März kaum hätte voraussehen können.

Dumm gelaufen ist die Geschichte Ende März, just an dem Tag, als das Sindelfinger Mercedes-Benz-Werk mit der kompletten Rathausspitze sein 100-jähriges Jubiläum in der Stadt feierte. Am Kernproblem ändert die Geschichte mit der Informationspflicht des Finanzministeriums nichts. Selbst wenn die Stadtverwaltung mit Hilfe von Spezialanwälten viel übers Steuerrecht gelernt hat, ist das keine Garantie gegen einen neuen Schock.

Die 38 Millionen Euro Gewerbesteuer für 2002 und 2003 gehen auf höchst legalem Weg zurück an den Konzern. Die Achterbahn der Sindelfinger Finanzen fährt unbeirrt weiter. Zur Erinnerung: Im Dezember 2014 fehlen plötzlich zehn Millionen Euro, Mitte März 2015 kommen wieder zehn Millionen Euro dazu. Zwei Wochen später verlassen 38 Millionen Euro auf einen Schlag die Stadtkasse. Aber in der Katastrophe gibt es aus „besonderen Effekten“ acht Millionen Euro Nachschlag. Und Mitte Mai werden gar wieder 30 Millionen Euro auf das Gewerbesteuer-Paket 2015 gesattelt.

Abgerechnet wird viel später. Anders als auf der Achterbahn auf dem Rummelplatz, wo sofort bezahlt wird.

peter.bausch@szbz.de

Von Peter Bausch

Sechs Wochen lang hat praktisch das ganze Sindelfinger Rathaus daran herumgetüftelt, wie der Haushalt 2015 nach dem 62-Millionen-Rückzahlungsschock wieder ins Lot kommt. Von einem Tag auf den anderen ist die Stadt wegen einer über zehn Jahre alten Steuergeschichte an den Rand des finanziellen Abgrunds getaumelt.

Die SZ/BZ hat mehrfach darüber berichtet, dass nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember 2013 Daimler nach erheblichen Verlusten an den Aktienmärkten signifikante Wertverluste im Pensionsvermögen steuerlich geltend machte und allein von Sindelfingen 38 Millionen Euro Gewerbesteuer zurückbekommt.

Verzinst wird die Summe nach dem üblichen Satz der Finanzverwaltung, der für alle Unternehmen, aber auch Privatpersonen gilt. Die sechs Prozent im Jahr ergeben 24 Millionen Euro Zinsen. Sindelfingen hat bei Nachzahlungen in den vergangenen Jahren auch schon von diesem Zinssatz profitiert, darf aber die Summe im Gegensatz zur Gewerbesteuer nicht bei den Umlagen an Land oder Kreis verrechnen. „Das ist das Kernproblem des neuen Haushalts 2015“, sagt Finanzdezernent Christian Gangl.

Bevor der 62-Millionen-Euro-Schock Ende März die Finanzplanung Sindelfingens über den Haufen warf, rechnete die Stadt mit 70 Millionen Euro Einnahmen aus der Gewerbesteuer. 38 Millionen davon gehen retour zum größten Arbeitgeber der Stadt und trotzdem kam die Stadt wegen „sonstiger Effekte“ auf 40 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer. Seit dem 18. Mai und neuen Bescheiden hellt sich der Horizont auf. Die gute konjunkturelle Entwicklung führe zu einer Erhöhung der Vorauszahlungen im Jahr 2015 um 30 Millionen Euro auf 70 Millionen Euro. Also just die Summe, die Mitte März schon einmal im Haushalt stand.

Trotzdem bleibt nicht alles beim Alten. Schließlich muss Sindelfingen ja die 24 Millionen Zinsen bezahlen. „Das ist ein Einmaleffekt und unsere Strategie bei der Überarbeitung war es, bewusst keine Struktur-Einschnitte vorzunehmen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer. Also keine Kürzungen bei Zuschüssen für Vereine und keine Erhöhungen der Steuern. Schieben, strecken und aussetzen sind die Zauberwörter, mit denen insgesamt 13,2 Millionen Euro an gut 350 Einzelpositionen aus dem Haushalt 2015 herausgeschwitzt wurden.

Ein paar Beispiele: Für neuen Asphalt auf den Straßen gibt es 2015 eine halbe Million Euro weniger, das Rathaus verzichtet heuer auf neue Büromöbel, die neue Lüftungsanlage beim Badezentrum wird ins nächste Jahr verschoben, die Innenraumsanierung von Klassenzimmern wird 2015 einmalig ausgesetzt. Aber: Die Sanierung der Schultoiletten geht weiter, der Mehrzweckraum in der Kindertagesstätte (Kita) Max-Liebermann-Weg und ein vierter Gruppenraum in der Viehweide werden kommen, der Glaspalast wird weiter saniert.

Sindelfingen hat noch Glück im inzwischen fast wieder reparierten Unglück: Das Land Baden-Württemberg hat seine Zusagen gehalten und überweist den Gemeinden mehr Geld für Kitas. Sindelfingen erhält rund eine Million Euro mehr. Weil in den ersten vier Monaten des Jahres zudem weit mehr Grundstücke als vorgesehen verkauft wurden, fließen 2,2 Millionen Euro mehr in die Kassen.

Trotzdem bleibt die Stadt in den roten Zahlen, kann das Defizit in Höhe von rund 22 Millionen Euro 2015 aber noch mit den Rückstellungen ausgleichen, ohne 2016 blank zu sein. Wie Mitte März gehen Christian Gangl und Kämmereileiter Wolfgang Pflumm davon aus, dass das derzeit schuldenfreie Sindelfingen bis Ende 2018 knapp 50 Millionen Euro Kredit bei Banken aufnehmen wird. Wie Mitte März geht das Finanzdezernat davon aus, dass 2016, 2017 und 2018 pro Jahr 55 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer kommen.

Sindelfingen will in Zukunft ein ähnliches Desaster wie beim 62-Millionen-Euro-Schock vermeiden. Das Finanzministerium habe am 15. April Versäumnisse bezüglich der Informationspflicht eingeräumt, sagt Bernd Vöhringer. Über die bundesweit agierende Kanzlei CMS mit über 600 Anwälten hat die Stadt Einspruch gegen den Zerlegungsbescheid des Finanzamts eingelegt, der die Aufteilung der Steuerlast nach Gemeinden regelt. „Wir haben damit eventuell einen Hebel für mehr Recht auf Informationen“, sagt der Rathauschef.

Dr. Björn Demuth und Jakob Billau von CMS sprechen die Stadtverwaltung von Vorwürfen frei, die drohende Rückzahlung nicht erkannt zu haben. Selbst ein Gemeinde-Betriebsprüfer hätte die Auswirkungen des Urteils nicht vorhersehen können. Sindelfingen habe in dieser Situation eher einen Seelsorger als Anwälte gebraucht, kommentiert FDP-Rat Andreas Knapp.

Trotz Steuerrückzahlung soll es nach drei Jahren Bauunterbrechung in der Viehweide weitergehen. Nach dem Einspruch von Anliegern gegen einen Bürgertreff sollen an der Kita Max-Liebermann-Weg noch dieses Jahr der Mehrzweckraum und ein vierter Gruppenraum angegangen werden. Bild: P. Bausch

Bauernhof-Eis, Feinhaarpinsel, geschnitzte Eulen und selbstgemachter Mozzarella: Auf dem 30. Sindelfinger Handwerkermarkt sind 83 Aussteller in der Altstadt am Werk. „Wir haben richtig viele Besucher. Über 15 000 sind es an diesem Wochenende sicher“, sagt Organisator Dr. Martin Hein. Schön sei auch das Marktfest am Samstagabend, bei dem die Handwerker mit den Anwohnern der Altstadt zusammensitzen, anstoßen und den Flammen in den Feuerschalen beim Tanzen zuschauen. Martin Hein gehört seit über 25 Jahren zum Organisationsteam: „Der Charme entsteht durch die gute Kombination aus Produkten aus echtem Handwerk und guter Musik.“

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Goldschmiedemeister Andreas Hauser ist zufrieden: „Es ist schön wie immer auf dem Handwerkermarkt. So könnte es immer sein.“ Der Besucherandrang stimmt und die Handwerker tauschen sich aus: „Es ist toll, zusammen auf ein Bänkle zu sitzen und sich ein bisschen zu unterhalten. Hier gibt es nur Handwerker, die ihre Produkte auch tatsächlich von Hand herstellen. Das sorgt für ein unglaublich hohes Niveau.“ Wenn Andreas Hauser im Firstsäulenhaus nicht im Gespräch mit Besuchern ist, singt er ihnen etwas vor. Mit seiner Band Backporch spielt er live in den Gassen während des Markts.

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Der Stuttgarter Künstler Przemek Zajfert hat kaum Zeit etwas zu essen, so gut kommt seine Aktion „Selfie mit der Camera obscura“ an. Dabei geht es um eine Kamera, die aus einer Filmdose besteht. Auf einer Seite hat die Dose ein kleines Loch, durch das Licht einfällt. Auf der anderen Seite liegt ein Stück Fotopapier. Die Besucher stellen sich vor das Sindelfinger Fachwerk und lächeln die Filmdose an. Nach ein paar Minuten entsteht auf dem Fotopapier ein Negativ-Abbild. Przemek Zajfert wandelt dieses am Rechner um und druckt das Foto aus. Mit diesen Kameras ist auch ein Mosaik mit 750 Bildern für das Sindelfinger Stadtjubiläum 2013 entstanden (die SZ/BZ berichtete).

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Zum runden Geburtstag des Handwerkermarkts hat sich die Familie Hein eine Geschenk-Aktion ausgedacht: Wer den Kulturbeitrag am Eingang zahlt, bekommt ein Los. „750 Geschenke gibt es an den Ständen. Wer sein Geschenk haben möchte, muss anhand der Nummer auf dem Los den richtigen Stand finden“, sagt Dr. Martin Hein. Geschenke sind zum Beispiel Tütchen mit Jubiläums-Bonbons, Fotos mit der Camera obscura oder Töpferware.

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Die Bonbons haben Gaby Haberkern und Eike Möller selbstgemacht. Ihre Bonbon-Manufaktur gibt es erst seit letztem Winter. Auf den Tütchen steht: Erdbeer-Chilli, Birne mit weißer Schokolade oder Mandel-Karamell. „Im Dänemark-Urlaub waren wir am Stand eines Bonbonmachers so fasziniert, dass wir das unbedingt selbst machen wollten“, sagt Gaby Haberkern. Beide sind Quereinsteiger und haben in Dänemark einen Bonbon-Experten gefunden, der ihnen das Handwerk beigebracht hat. Für den Markt in Sindelfingen haben die Gmünder ein Jubiläums-Bonbon dabei. An ihrem Stand zeigen sie, wie das Handwerk funktioniert.

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Im Genussgässle gibt es Süßigkeiten in der Waffel: Der Haselstaller Hof aus Wildberg hat Bauernhof-Eis mitgebracht. „Wir verwenden hofeigene Milch und Zutaten aus der Region. Die Sahne bekommen wir von einem anderen Bauern“, sagt Ursula Müller. Auf dem Handwerkermarkt gibt es Sorten wie Banane-Baileys, Joghurt-Waldbeere oder Vanille-Madagaskar.

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Bei Drechsler Martinus Merz im Storchenhaus können die Besucher vor Laden und Werkstatt an einer Wipp-Dreh-Bank selbst ausprobieren, wie die Handwerker früher das Holz bearbeitet haben. „Der Handwerkermarkt ist eine tolles Event, das die Altstadt aufwertet. Wir möchten ihn nicht missen. Letztlich ist es auch ein Treffen unter Freunden und Bekannten, denn die Handwerker in Deutschland sind wie eine große Familie“, sagt Martinus Merz.

Volle Gassen beim 30. Sindelfinger Handwerkermarkt in der Altstadt. Bilder: Sattler

Julian (links), sechs Jahre, und Jannik, acht Jahre, sind skeptisch, ob die Filmdose wirklich Fotos machen kann. Auch plattgewalzte Glasflaschen sieht man nicht alle Tage.

Bauernhof-Eis gibt es am Stand des Haselstaller Hofs. Wer mehr für Bonbons übrig hat, kann bei Gaby Haberkern (rechtes Bild) und Eike Möller zu gucken, wie aus Zuckermasse kleine Leckereien werden.