Aktuelle Veranstaltungen

Im August rockt Sindelfingen wieder auf dem Marktplatz.
Jeden Mittwoch von 18:00 bis 22:00 Uhr gibt es für Euch ausgesuchten Live-Rock zum Nulltarif.

 

 

03.08. Tribute Band Bigger Bang (Rolling Stones)

10.08. Tribute Band Kauf mich (Toten Hosen)

17.08. Tribute Band Purple Rising (Deep Purple)

24.08. Tribute Band Reckless Roses (Guns N´Roses)

31.08. Tribute Band Cocker Inspiration (Joe Cocker)

City Marketing Nachrichten

SZ/BZ Nachrichten

An David Graf hängt eine Menge. Eine ganze Sportart hofft darauf, dass der Sindelfinger in Rio zuschlägt. Der Boxsport schaut gespannt auf ihn und seine fünf Teamkollegen. Denn gibt es nach Peking und London zum dritten Mal in Folge keine olympische Medaille für die Deutschen, dann wird es duster. Dann rutscht das deutsche Boxen vom C- in den D-Kader. Die Folgen: „Weniger Geld, weniger Trainer, Einschnitte bei den Stützpunkten“, sagt Cheftrainer Harry Kappell. „Das wäre der Super-GAU“, redet Michael Müller, Sportdirektor beim Deutschen Boxverband (DBV), nicht um den heißen Brei herum.

David Graf ist einer der sechs Männer, die das verhindern sollen. Sein Coach aus Sindelfinger Zeiten, Thomas Kugler, ist optimistisch: „Ich traue ihm alles zu“, sagte er direkt nach der Olympia-Nominierung im SZ/BZ-Interview. Kugler hatte einst mit Uwe Sponholz und seinem VfL-Team im Boxzentrum im Freibad dem damaligen Eschenried-Realschüler alles beigebracht, um im Ring zu bestehen. Damals trug Graf noch den Namen Vahagn Sahakjan und sammelte Titel in den Jugendklassen.

Als Sahakjan in den Sauerland-Stall wechselte, nannte er sich David Graf. Nach der ersten Niederlage im elften Kampf kehrte er in die Profiabteilung des olympischen Box-Weltverbandes AIBA zurück und arbeitet seitdem wie besessen am olympischen Traum. „Der erste in der Trainingshalle, der letzte, der geht“, steht unter einem Foto, das er im sozialen Netzwerk veröffentlichte.

Der im armenischen Jerewan geborene David Graf streckt seine lange Gerade nach Edelmetall aus. Tatsächlich räumen die Fachleute dem gelernten Gärtner mit dem großen Kämpferherz echte Medaillenchancen ein. Das Problem bei der Sache nennt Harry Kappell: „Vahagn hat es in der 91-Kilo-Klasse am schwersten. Diese Klasse ist mit einer unglaublichen Qualität und Quantität besetzt.“

Trotzdem: Es ist ein Traum, der in Erfüllung gehen kann, vielleicht auch in Erfüllung gehen muss, sollte Boxen nicht an den äußersten Rand der Sportarten abrutschen. Standen in Athen 2004 zum letzten Mal deutsche Boxer auf dem Treppchen, so ist Gold noch viel länger her: Torsten May und Andreas Tews waren es 1992, die in Barcelona Titel holten. Das war bei den ersten Olympischen Sommerspielen nach der Wiedervereinigung, beide stammten noch aus dem heute komplett rasierten DDR-Boxsystem. 24 Jahre ist das her.

„Wir sind momentan nur noch sporadisch in der Weltspitze vertreten“, sagt Harry Kappell, der ein kleines, aber dennoch feines Team nach Rio schickt. Berechtigte Titelhoffnungen darf sich Artem Harutyunyan im Halbweltergewicht machen, 24-jähriger Stabsunteroffizier bei der Bundeswehr und wie Vahagn Sahakjan alias David Graf gebürtiger Armenier. Erik Pfeifer galt im Superschwergewicht bis zu seiner K-o.-Niederlage beim Chemiepokal in Halle im März als Goldkandidat. Dem Fliegengewichtler Hamza Touba bescheinigt Harry Kappell „immer wieder aufblitzende Weltklasse“, aber noch nicht genügend Beständigkeit. Arajik Marutjan im Weltergewicht und Serge Michel im Halbschwergewicht bewegen sich zwischen Geheimfavorit und Männern mit Außenseiterchancen.

David Graf jedenfalls ist bereit. Am Donnerstagvormittag schickte der 27-Jährige zwei Fotos mit lieben Grüßen an die Redaktion und die Leser der SZ/BZ. Zu dem Selfie kurz vor dem Abflug schreibt er: „Guten Morgen Freunde. Heute startet die Mission Olympia. In einigen Stunden fliege ich mit der Mannschaft los Richtung Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens. Dort werde ich eine gute Woche verbringen, bevor es endgültig nach Rio geht. Ich hoffe und freue mich über eure Unterstützung, denn ihr wisst, ich schöpfe Kraft aus eurem Support.“

Das zweite Foto zeigt ihn am Flughafen in Brasilien: „Wir sind gesund und munter in Brasilia angekommen. Die Brasilianer haben uns sehr herzlich empfangen und uns in unser Hotel gebracht. Wir haben hier eine sehr gute Lage. Unser Hotel ist sehr groß und auf einem sehr hohen Standard.“ Jetzt geht es ans Eingemachte. Um die großen Sportlerträume eines Sindelfingers – und um die Zukunft des deutschen Boxsports. David Graf meint es ernst. Trainingsstart: 7 Uhr morgens. Seine Fans lässt er wissen: „Frühsport bei diesem Wetter und der tropischen Natur macht extrem viel Spaß. So kann man sich fokussieren.“ Noch gut eine Woche hat er Zeit, schlägt für ihn der olympische Gong.

Das letzte Selfie in Deutschland vor dem Abflug nach Brasilien. David Graf schreibt: „Ich hoffe auf eure Unterstützung und schöpfe Kraft aus eurem Support.“

Das erste Bild in Brasilien mit dem Fliegengewichtler Hamza Touba (links): „Wir sind gesund angekommen.“ Jetzt geht es ans Eingemachte. Bilder: z

Die Sanierungsarbeiten an den letzten vier von 17 Geothermie-Bohrungen in Böblingen liegen auf Eis. Die Firma Keller Grundbau tüftelt an komplett neuen Methoden. Bis es diese gibt und die Arbeiten weitergehen, wird es noch dauern. Jochen Weinbrecht vom Landratsamt wagt dazu keine Prognose. Klar ist für den Leiter des Wasserwirtschaftsamts: Bevor die Technik nicht wirklich funktioniert und dies durch viele Wiederholungen bewiesen ist, rücken die Experten nicht am Schliffkopfweg an. „Das Wasserwirtschaftsamt muss am Schluss das Risiko tragen und deshalb müssen wir auch die Erfolgschancen abwägen“, so Jochen Weinbrecht.

Was ist eigentlich passiert? Das Landratsamt lässt 17 Erdwärme-Bohrungen sanieren, die Schuld an den Erdhebungen zwischen dem Herdweg und der Stuttgarter Straße sind. Ein Gutachten für den nördlichen Bereich hat den Zusammenhang bewiesen. Im Süden steht zwar das Gutachten noch aus. Dass dieses ganz ähnlich ausfällt, bezweifelt aber kaum einer. Insgesamt geht es um Risse und andere Schäden im zweistelligen Millionenbereich.

Die letzten vier von 17 Bohrungen sollten eigentlich inzwischen auch saniert sein. Aber ein zähflüssiger Brei namens Thaumasit behindert die Arbeiten der Firma Keller im Schliffkopfweg (die SZ/BZ berichtete). In der Tiefe drückt die Masse gegen die Erdwärme-Rohre. Deshalb können die Experten den Raum zwischen dem Gestein und der Sonde nicht abdichten. So bleiben darf es da unten aber auch nicht.

Seit Anfang April entwickelt die Firma Keller nun Spezialwerkzeuge. Eine ganz neue Methode muss her. Aber das dauert. Solange ist die Baustelle im Schliffkopfweg abgebaut und die Sanierungsarbeiten stehen still.

In Renchen auf dem Betriebsgelände der Firma Keller herrscht alles andere als Stillstand. Die Fachleute haben einen Ansatz: Das Thaumasit soll durch offene, große Schlitze und ausgestanzte Löcher in das Sondenrohr gelangen und so aus dem Bohrloch gepumpt werden. Erst danach können die Arbeiter mit der Sanierung anfangen.

Beides ist eine Operation auf engstem Raum. Die Sondenrohre sind kaum drei Zentimeter breit und an vielen Stellen verengt. Noch dazu ragen sie 70 bis 80 Meter tief in die Erde. Um die breiige Masse aus der Tiefe zu holen, entwickeln die Experten neue Stanz- und Schneidewerkzeuge. Die erste Version hielt den schwierigen Umständen nicht stand. Jetzt haben die Experten ihre Werkzeuge überarbeitet.

Eine Variante ist eine Stanze, die eine sieben Millimeter kleine, kreisrunde Öffnung erzeugt. Nicht viel größer als der Nagel am kleinen Finger. Variante 2 ist ein Messer mit zwei Klingen, das eine Lasche aus dem Sondenrohr herausschneidet. Die dritte Methode ist ein Messer mit einer Klinge. Der Schlitz wird später durch einen Spreizer geöffnet. Die Fachleute testen ihre Werkzeuge an einem Rohr mit drei Zentimetern Durchmesser, das in einem 25 Meter tiefen Brunnen hängt.

Das Zwischenergebnis: Das Messer schafft 15 glatte, gute Schnitte à 30 Zentimeter auf dem Rohr. Die Stanze verpasst dem Rohr Löcher, aber nicht jedes ist auch wirklich offen, teilweise verhakt sich auch das Werkzeug in der Tiefe. Wichtig ist, dass sich beim Schneiden und Stanzen kein Grat an der Außenseite des Rohrs bildet, an dem die Masse hängen bleiben kann. Auch das zweite Sondenrohr sollte heil bleiben.

All das ist schon schwierig genug, aber die eigentliche Kunst, komme erst noch, so Jochen Weinbrecht: „Irgendwie muss das Thaumasit in das Rohr und hoch an die Oberfläche kommen.“ Dafür brauchen die Experten Druck. 25 Liter Wasser pro Minute. Nur wie bekommt man das Wasser an der gewollten Stelle aus dem Rohr, damit es die breiige Masse wiederum ins Rohr schiebt? „Man braucht einen Stopfen im Schlauch“, sagt Jochen Weinbrecht.

Das Wasser kommt am Stopfen nicht weiter und wird durch einen Schlitz nach außen in den Raum zwischen Sondenrohr und Bohrlochwand gedrückt. Dort schiebt es die Masse über den nächsten offenen Schlitz zurück ins Rohr und dann nach oben. So die Theorie. „Der passende Stopfen, die Experten sprechen von einem Minipacker, ist noch nicht entwickelt. Er muss ja erst klein sein, um durch das Rohr zu kommen, und dann groß werden, um das Rohr abzudichten“, sagt Jochen Weinbrecht. Über das Wasser im Bohrloch macht sich der Amtsleiter keine Sorgen: „Das kleine Risiko, dass ein paar Wassertröpfchen über bleiben, können wir locker in Kauf nehmen.“

Das Auspumpen testen die Experten an einer Erdwärme-Attrappe. Ein zwei Meter langes Plexiglas-Rohr stellt das Bohrloch dar. Drinnen befinden sich zwei Sondenrohre. Zwischen dem Plexiglas und den Rohren steckt eine breiige Masse. Für den Versuch besteht das Gemisch aus Steinmehl, Bentonit und Wasser. Je nach Konsistenz dauert das Auspumpen 15 bis 60 Minuten. Von 20 Litern breiiger Masse können die Fachleute bisher zwei Drittel entfernen.

Es kann noch Monate dauern, bis die Technik so weit ist, dass sie am Schliffkopfweg angewendet wird. Jochen Weinbrecht sieht keinen Grund zur Eile: „Wir wissen, dass die Erdhebungen immer langsamer werden.“ Ende Oktober sollen die nächsten Zahlen der Satellitenmessung vorliegen.

Mehr auf szbz.de

Die SZ/BZ hat zu den Böblinger Erdhebungen ein großes Infopaket geschnürt. Hintergrundgeschichten, Karten, Schaubilder und Videos gibt es auf der Seite www.szbz.de/zerreissprobe.de im Netz.

So testen die Experten ihre Werkzeuge und die neuen Techniken: Sie stellen die Situation in der Tiefe nach. Ein Plexiglasrohr dient als Bohrloch, darin befinden sich die Rohre der Erdwärmesonde und die breiige Masse, die die Sanierung behindert. Auf dem rechten Bild sieht man, wie viel Masse die Fachleute durch ihre Versuche aus dem Bohrloch entfernen konnten. Bilder: z

Mensa-Küche zerstört, Schaden wohl bis zu 100 000 Euro. Das ist die Bilanz des Feuers von Montagabend (die SZ/BZ berichtete). Es hätte aber alles noch viel schlimmer kommen können. Denn die Lage war überhaupt nicht klar, als die Flammen gegen 19.15 Uhr ausbrachen.

Die Feuerwehr wusste weder genau, ob noch Lehrer oder Schüler im Gebäude sind, noch, ob die Sporthalle der Gottlieb-Daimler-Schule 1 tatsächlich wieder komplett leer ist. Bis vor knapp einem Monat waren hier noch Flüchtlinge untergebracht. Die erste Meldung der Polizei hatte sogar „Küchenbrand Asylunterkunft Gottlieb-Daimler-Schule“ gelautet.

Vorne im Einsatzleitwagen waren Ralf Wintrup und Frank Schlaier die ersten Zugführer der Feuerwehr, die am Haupteingang in der Neckarstraße eintrafen. In der rauchgeschwängerten Empfangshalle zeichnete sich bald ein deutlicheres Bild ab. Der Brandherd lag in der Mensaküche, die Sporthalle war leer. Und die zweite Halle – die Sporthalle der benachbarten GDS2, in der immer noch Flüchtlinge untergebracht sind – lag ein ganzes Stück entfernt in einem Gebäudeteil, das mit der Mensa nicht verbunden ist.

Ralf Wintrup und Frank Schlaier fällten eine Entscheidung, die Schlimmeres verhinderte. „Die T30-Brandschutztür, die einem Feuer 30 Minuten standhalten kann, blieb zu. Sie beschlossen, das Feuer über zwei andere Wege anzugreifen. Das war genial, der Rauch griff so nicht in andere Gebäudeteile über“, sagt Rainer Just.

Inzwischen waren auch der zweite Löschzug der Sindelfinger Wehr und Unterstützung aus Maichingen vor Ort, dazu für die weitere Einsatzleitung und Koordination Rainer Just und Stadtbrandmeister Wolfgang Finkbeiner. Die Feuerwehrleute nahmen den Brand vom Nebeneingang und aus Richtung des kleinen Sportplatzes in die Zange. In der Mensaküche entwickelte sich eine so hohe Hitze, dass die Lichtkuppel schmolz und die Rauchsäule in den Himmel stieg. Tina Road kommentierte auf der SZ/BZ-Facebookseite: „Es riecht auch auf dem Goldberg furchtbar nach Rauch.“

Nach zehn Minuten hatte die Feuerwehr den Brand gelöscht. Technisches Hilfswerk und Hochbauamt kümmerten sich um die Einbruchsicherung und nagelten mit Spanplatten die von der Hitze zerborstenen Fenster zu. Die Statik des betroffenen Gebäudeabschnitts ist nicht beeinträchtigt. Die Kriminalpolizei versiegelte den Brandbereich, die Kriminaltechnik machte sich am Mittwoch, am letzten Schultag, auf die Suche nach der Brandursache. Am Nachmittag bekamen die Techniker vierbeinige Verstärkung durch einen Brandmittelspürhund. Am heutigen Donnerstag wird noch ein Sachverständiger hinzugezogen. Somit kann die Polizei laut Pressesprecherin Yvonne Schächtele vorerst noch keine Aussagen zur Ursache machen.

Die Feuerwehr rückte mit 50 Einsatzkräften auf zwölf Fahrzeugen aus, der Rettungsdienst war mit zehn Helfern und vier Einsatzfahrzeugen vor Ort.

So sah der Brand in der Gottlieb-Daimler-Schule von der Terrasse auf dem Dach des Sindelfinger Rathauses aus. Bild: Haar

Dr. Ingrid Burgbacher-Krupka hat 25 Jahre lang mit ihrem Verein „Kunst und Projekte“ der Stadt Ausstellungen mit Künstlern beschert, die weltweit für zeitgenössische Kunst stehen. Die Kunsthistorikerin will das Material aus einem Vierteljahrhundert Projektarbeit aufarbeiten lassen und nimmt als Symbol dafür eine Zeitkapsel wie auf dem Turm der Martinskirche, die wichtige Dokumente für die Ewigkeit sichern soll.

Für die Zeitkapsel, die ein imaginäres Museum sein soll, hat Ingrid Burgbacher Professoren angesprochen, die an früheren Ausstellungen des Vereins beteiligt waren und mit ihren Studenten im Frühsommer angefangen haben, das Terrain in Sindelfingen zu sichten.

Dazu zählen Hannes Brunner von der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, der in Sindelfingen aufgewachsene, heute in Mailand lehrende Gianni Caravaggio, Alba D’Urbano von der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Christian Jankowski von der Stuttgarter Akademie sowie Gabi Schillig und Ruven Wiegert von der Düsseldorfer Hochschule.

Mit der Zeitkapsel setzt Ingrid Burgbacher fort, was sich in den letzten Ausstellungen in der Galerie der Stadt angedeutet hat, die mit „Diese Kunst – Generation Apps“ zum Jahreswechsel 2014/2015 im Prinzip abgeschlossen wurden: Es gibt einen Wechsel vom Kunstobjekt zum Prozess, der sich in performativen Situationen, raumspezifischen Installationen und zeitbasiertem Handeln ausdrücke.

Der Verein „Kunst und Projekte“ hat immer wieder den Bezug zur Stadt Sindelfingen gesucht. „Kunst als interkulturelles Bewegungselement wurde in Sindelfingen mit den großen Einwanderungswellen der Gastarbeiter und Migranten sowie wissenschaftlichen Expats zu einem Muss für die gesellschaftliche Entwicklung eines plötzlich monoindustriell geprägten Landstädtchens“, sagt Ingrid Burgbacher, die mit ihrem Mann Konrad vor Jahren das ehemalige Domizil in der Altstadt aufgegeben und nach Trossingen gezogen ist.

Wie bei „Kunst und Projekte“ üblich, gibt es noch keinen festen Rahmen für das Zeitkapsel-Projekt. Die Professoren und ihre Studenten werden aber vom 8. bis 16. September ihren Treffpunkt in der Galerie der Stadt haben, die nach Vereinbarung auch für Interessierte geöffnet wird.

Die offizielle Eröffnung soll am 17. September um 17 Uhr stattfinden, bis zum 25. September sollen die Arbeiten, Konzepte, Entwürfe sowohl in der Galerie als auch an anderen Orten in der Stadt Sindelfingen präsentiert werden.

Info

Informationen über das neue Projekt und die 25-jährige Geschichte des Vereins gibt es unter www.kunstundprojekte.de im Internet.

Die Klasse der Akademie Stuttgart von Professor Christian Jankowski beim Erkundungsgang für das Zeitkapsel-Projekt des Vereins „Kunst und Projekte“ in Sindelfingen. Bild: Burgbacher/z

Um seine Expertise gebeten, muss Cartoonist und Künstler Rainer Simon nur kurz überlegen. „GGS-Expressionismus“, sagt er zu dem Stil, in dem gerade ein neues Schulbild entsteht. In seinem Workshop malen am Atrium Oberstufenschüler des Schwerpunktfaches Kunst und Neuntklässler das großformatige Werk, das später im Treppenaufgang des Nordbaus hängen soll. GGS-Typisches wie Lehrer Lempel bis Umgebungsprägendes wie Wasserturm sind darauf zu sehen. Oder besser: vorerst noch zu erahnen. Zur Halbzeit der Kulturnacht zieren drei Viertel der Fläche lediglich die Skizzenentwürfe. Tilman Nagel malt deshalb erst mal eifrig mit, damit das Gemälde bis zum Zapfenstreich fertig wird. Allerdings ist er skeptisch, bis mit Léoni Eckstein eine erfahrene Wandmalerin zu Pinsel und Palette greift. Die Schülerin hat schon bei der Biennale am Ferkelmarkt-Bild mitgearbeitet.

Der Schaffens- und Arbeitseifer, der hier am Werk ist, findet sich zur selben Zeit an vermutlich einem guten Dutzend Schauplätzen. Nur 20 Meter weiter, auf der Bühne unterm Oberstufenbau, rocken Schülerbands vor großer Kulisse, im Pavillon geben die Ex-GGSler Johannes Held und Mario Stallbaumer eine Kunstliedvorstellung, in den Kunstsälen des Westbaus zeigt eine Vernissage Schülerbilder, der Westsaal wartet mit Theater und Poetry Slam auf, im Südhof laden Bänke und Tische zum Verweilen bei Roter und Getränken ein, während daneben der Skateboard-Workshop läuft und weiter im Südbau orientalische Köstlichkeiten von ägyptischem Mohnkuchen bis Dattel-Lauch-Aufstrich im „Café 1001 und eine Nacht“ angeboten werden – rund 30 Projekte gibt’s bei dieser Nacht zu bestaunen, viele laufen simultan. „Wir haben mega engagierte Lehrer dahinter“, erzählt Paula Fehrenbacher, die beim Graffiti-Workshop von Maximilian Frank gerade eine Spray-Pause einlegt. „Megacool“ findet sie die Atmosphäre auch deshalb, weil hier die Schüler mitorganisieren durften.

Den Initialfunken zu dieser ersten Kulturnacht schlug Tobias Walldorf, der das Konzept vom Gymnasium Korntal, seiner Vorgängerschule, importiert hat. Gemeinsam mit Ulrike Fritz hat der Deutsch- und Gemeinschaftskundelehrer die Federführung bei der Organisation zu dieser Nacht, bei der neben weiteren Kollegen auch Schüler, Eltern und Ehemalige Strippen gezogen haben. Ex-Lehrer Wolfgang Wulz etwa hat Auftritte auf der Mundartbühne, Buchhändler und Autor Andreas Heßelmann, GGS-Abi-Jahrgang 1979, und Abi-Jahrgang 94 Timo Vetter halten Lesungen.

Neben Theater- und Musicalaufführungen, die regelmäßig ein großes Publikum fänden, gebe es am GGS mit seinem ausgeprägten Kulturprofil viele kleinere Projekte, die auch aufführungswürdig seien, erläutert Walldorf einen Ansatz zu dieser Nacht. So will das Wort Kultur hier auch weiter gefasst verstanden werden als in der üblichen Verengung auf Künstlerisches. Neben Sport haben etwa auch die von Renate Holzmann im EU-Austauschprogramm Erasmus betreuten Schüler hier ein Podium.

„Ich bin super zufrieden“, beurteilt Walldorf Publikumszuspruch und Schülerbeteiligung an den Projekten. Allerdings werde mit der Kulturnacht auch darauf reagiert, dass viele Lehrerlegenden altershalber die Schule verlassen haben. Die Nacht will auch Anstoß für Neues sein.

Zwei der am Freitag offiziell verabschiedeten Legenden, die Kunstlehrer Roland Bayer und Martin Sack-Duvernoy, können es ruhig angehen lassen und beschränken sich auf die Publikumsrolle, bis noch mal ein großer Auftritt wartet. Zum Finale steigen sie als Teil der Lehrerband auf die Bühne, wo Martin Sack-Duvernoy selbstverständlich den passenden Stones-Titel intoniert: „The last time“, das letzte Mal.

Die Riesendimension, in dem die Kulturnachtpremiere daher kam, war mit Bedacht gewählt. Damit soll die Nacht zum Selbstläufer werden und in den kommenden Jahren regelmäßig wiederkehren, wenn auch etwas abgespeckt. Schülerin Melissa Hofmann zeigt an einem Stand, dass das GGS zum nächsten Schuljahresende bereits eine vergleichbar große Aktion plant, am Titel erkennbar weniger Kunst- als Staatsaktion, das Projekt „Schule als Staat“.

Über 30 Projekte präsentierten sich bei der Kulturnacht: von Musik und Poetry Slam bis zu Graffitis und Léoni Eckstein beim Malworkshop von Rainer Simon. Bilder: Heiden, stevecuk/Salome/Fotolia, Montage: Buscemi