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Heidi Beduhn ist seit 1985 dabei, als Ruth Seiler, die in Guatemala Friedensaktivisten begleitet hatte, und Pfarrer Helmut Zwanger von der Martinskirche die verschiedenen Dritte-Welt-Gruppen zusammenholten und im alten Pfarrhaus in der Ziegelstraße einen Verein gründeten. Es kamen etwa 60 Menschen. Stadträtin Ruth Seiler fragte im Gemeinderat, ob der Raum im städtischen Gebäude am Corbeil-Essonnes-Platz zu bekommen wäre, wo der Laden heute noch logiert. Oberbürgermeister Dieter Burger stiftete die Regale und die Küchenzeile.

Die Waren kaufte Heidi Beduhn bei Gepa, der von evangelischen und katholischen Organisationen getragenen Handelsfirma, die direkt bei den Bauern und Produzenten einkauft. Da alle Verkäuferinnen ehrenamtlich arbeiten, kommt der Verkaufserlös direkt den Kooperativen in den Entwicklungsländern zugute. Durch Vorträge betreibt der Weltladen Bildungsarbeit. Schulklassen schnuppern herein, manche Schüler absolvieren hier ein Sozialpraktikum.

Früher fuhr Heidi Beduhn, seit 25 Jahren Vorsitzende des Trägervereins AG Eine Welt Sindelfingen, noch nach Bad Cannstatt und Leonberg. Jetzt läuft der Einkauf übers Internet. Eine Einkaufsgruppe der 24 Aktiven kümmert sich um die Lebensmittel, eine andere ums Kunsthandwerk. In beiden Sparten gibt es immer wieder Neues: neben Dinkel-Quinoa-Gebäck auch rotes und weißes Quinoa-Mehl – das Wunderkorn der Inkas – zum Selberbacken, Couscous und Bulgur, Kirchenerbsen oder Gewürzmischungen aus dem Libanon. „Wir waren bei einem Vortrag in Herrenberg, wo eine Bäuerin aus Peru berichtete, wie sie auf über 4000 Meter Höhe Kartoffeln anbaut. Seit 2015 produzieren 120 Familien Chips. 600 Personen leben davon. Da die Chips als Fertigprodukt nach Europa kommen, muss Zoll bezahlt werden. Deshalb ist der Preis mit 2,80 Euro pro Tüte teurer als andere. Aber es sind auch wirklich Kartoffeln drin“, sagt Heidi Beduhn.

Renate Walther, seit ihrer Pensionierung einen Tag in der Woche dabei, schaut, was es Neues an Schmuck und Deko-Artikeln gibt. Der Renner sind Sonnengläser, die in den Townships in Südafrika in Handarbeit gefertigt werden. „Eigentlich waren sie für Hütten ohne Strom konzipiert. Die Arbeiter bekommen Tariflohn samt Krankenversicherung und Pension. Bei uns können die Gläser als Lichtquelle auf Balkon oder Terrasse dienen“, sagt Heidi Beduhn. Nun hofft sie, dass viele in den hellen, frisch gestrichenen Laden kommen. „Wir mussten mal vom Jute-Taschen-Image weg“, sagt sie und ist froh über den erweiterten Lagerraum. Auch neue Kolleginnen wären sehr erwünscht.

Info

Geöffnet ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr. Mehr unter der Adresse www.weltladen-sindelfingen.de im Netz.

Heidi Beduhn, seit 25 Jahren Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Eine Welt in Sindelfingen, im renovierten Weltladen. Bild: Lück

Den Auftakt aus Sindelfinger Sicht machte Romina Schulze in der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm. Sie begann das Reißen mit 44 Kilogramm. Auch den zweiten Versuch mit 46 Kilogramm bewältigte sie problemlos. Der Versuch an der neuen Bestleistung von 48 Kilogramm brachte sie über den Kopf und konnte die Hantel in der Hocke abfangen.

Aber die Hantel musste sie frühzeitig ablegen. Im Stoßen liefen die ersten beiden Versuche ebenfalls sehr gut. Sie verbuchte hier 60 Kilogramm. Die neue Bestleistung von 62 Kilogramm war aber zu schwer. Insgesamt blieb sie nur ein Kilogramm hinter ihrer bisherigen Zweikampf-Bestleistung zurück und belegte in ihrer Klasse den dritten Platz.

Als nächstes stieg Fiona Dosdall in den Wettkampf ein. In der Woche vor dem Wettkampf hatte sie noch muskuläre Probleme im Oberschenkel, aber am Wettkampftag schien alles wie weggeblasen. Im Reißen sowie im Stoßen versuchte sie neue Bestleistungen aufzustellen. Im Reißen gelang ihr das aber nicht und so verbuchte sie 55 statt der erhofften 58 Kilogramm. Im Stoßen steigerte sie aber ihre Bestleistung im dritten Versuch auf 76 Kilogramm. Mit diesen 131 Kilogramm im Zweikampf gewann sie ihre Klasse.

Nächster Heber für den VfL Sindelfingen war Jugendheber Thomas Hoffmann. Das Reißen begann er mit 65 Kilogramm, somit zwei Kilogramm mehr, als er seinen letzten Wettkampf beendete. Im zweiten Versuch konnte er eine neue Bestleistung mit 68 Kilogramm aufstellen. Im dritten Versuch ging er auf 72 Kilogramm. Die stellten sich an diesem Tag aber als zu ambitioniert heraus. Im Stoßen lief es für ihn besser. Im dritten Versuch konnte er sogar seine Bestleistung auf 90 Kilogramm ausbauen. Gleichzeitig waren auch die 158 Kilogramm im Zweikampf neue Bestleistung für ihn. Mit dieser Leistung belegte er den zweiten Platz.

Als letzter Sindelfinger betrat Sebastian Pawlik die Wettkampfbühne. Im Reißen lief es für ihn an diesem Tag besonders gut. Mit 85 Kilogramm startete er mit zehn Kilogramm mehr als sein stärkster Konkurrent bewältigen konnte. Er bewältigte schließlich 93 Kilogramm und erzielte damit sein bestes Reißergebnis seit fast einem Jahr. Auch im Stoßen begann er mit starken 112 Kilogramm den Wettkampf. Im zweiten Versuch steigerte er sich auf 117 Kilogramm. Im letzten Versuch ging er dann auf 122 Kilogramm. Nachdem er die Hantel noch stark auf die Schulter umsetzen konnte, scheiterte er knapp am Ausstoß.

Sein Vorsprung auf den zweiten Platz betrug zu diesem Zeitpunkt aber schon 35 Kilogramm und war daher nicht gefährdet. Sebastian Pawlik (Bild: z) war damit drittbester Heber über alle Gewichtsklassen hinweg. Auch in der Mannschaft belegte der VfL Sindelfingen einen guten dritten Platz, hinter den Bundesligisten aus Weinheim und Obrigheim.

Dass sich die Kräne drehen und die Bagger rollen, liegt nicht nur an den Aktivitäten der Stadt. Für die derzeit größte Baustelle auf Sindelfinger Gemarkung, den Darmsheimer Tunnel, muss das Land am tiefsten in die Tasche greifen. Für Tunnel und Straße sind rund 32 Millionen Euro eingeplant. Läuft alles nach Plan, rollen im Mai 2018 die ersten Autos durch den Tunnel.

Von Bedeutung für die Autofahrer sind auch die Bauarbeiten im Westen des Sindelfinger Mercedes-Werks. Das neue Parkhaus P 305 am Niederen Wasen mit rund 4000 Stellplätzen ist kurz vor der Fertigstellung. Die Daimler AG verlagert mit diesem Neubau Parkplätze, die bis jetzt zwischen Benz- und Gottlieb-Daimler-Straße angesiedelt sind. Neben dem neuen Parkhaus gibt es eine Option für weitere 2000 Stellplätze, so Sindelfingens Bauamtsleiter Walter Kremp.

Im Zusammenhang mit dem neuen Parkhaus wird die Kreuzung Niederer Wasen/Daimler- und Benzstraße komplett umgebaut und die Gottlieb-Daimler-Straße auf teilweise vier Spuren ausgebaut. Zwei Fahrspuren werden dabei zum Einfädeln genutzt. Bis Jahresende soll ein Großteil der Bauarbeiten abgeschlossen sein. „Das ist ein sportlicher Zeitplan“, sagt Walter Kremp. Die Stadt sitzt bei allen Baubesprechungen mit am Tisch. „Wir achten darauf, dass unsere Interessen gewahrt bleiben, denn bei der Gottlieb-Daimler-Straße handelt es sich um eine öffentliche Straße“, so Kremp.

Die Entwicklung auf dem Flugfeld wird hauptsächlich von privaten Investitionen getragen. So meldet Peter Brenner, der Geschäftsführer des Zweckverbands Flugfeld, nach wie vor „eine hohe Nachfrage“ nach Grundstücken. Vor allem für das sogenannte Mittelstandsquartier an der Flugfeld-Allee. Dort haben mit dem Schweizer Unternehmen Kistler (die SZ/BZ berichtete am Samstag) und der Tresor-Manufaktur des Maichingers Markus Döttling gerade wieder zwei Firmen ihre neuen Gebäude bezogen.

Weiter geht es in zwei Wochen mit der Eröffnung des Porsche-Zentrums an der Wolfgang-Brumme-Allee. Daneben laufen die Bauarbeiten für ein neues Hotel auf dem Flugfeld. Investor für beide Projekte ist der Unternehmer Andreas Dünkel, der auch für die Motorworld verantwortlich zeichnet.

Weil Wohnraum knapp und die Nachfrage groß ist, müssen Städte wie Sindelfingen bei der Erschließung von neuen Baugebieten Gas geben. Ein Beispiel „für eine rasche Erschließung“ ist aus Sicht von Bauamtsleiter Walter Kremp das Darmsheimer Wohngebiet Inner Bühl Mitte. Die Straßenbauarbeiten sind weitgehend abgeschlossen, für die größeren Wohneinheiten laufen gerade die Roh- und Ausbauarbeiten. Für die Erschließung des Gebiets gibt die Stadt rund 1,5 Millionen Euro aus.

Nur noch ein paar Tage, dann können Schüler und Lehrer in den Erweiterungsbau der Maichinger Gemeinschaftsschule einziehen. Ab Montag sollen die Fachräume für Naturwissenschaften, ein Zeichensaal und weitere Arbeitsräume genutzt werden. Bislang waren ein Teil der Klassen in einem Provisorium aus Containern untergebracht. Die Container kommen jetzt an die Darmsheimer Grundschule. Ab Dezember geht es an die Außenanlagen. Für rund 570 000 Euro gibt es unter anderem einen neuen Pausenhof sowie Spiel- und Sportmöglichkeiten.

Auch an den Kindertagesstätten in der Feldbergstraße und in der Bahnhofstraße sind die Neubauten fertig, und Kinder und Erzieherinnen freuen sich über die neuen Räume. Gearbeitet wird auch hier noch an den Außenanlagen.

„Durften wir, konnten wir unsere Ausstellungstätigkeit einfach dicht machen?“. Mit der Frage erinnerte Ingrid Burgbacher-Krupka, Vorsitzende von Kunst und Projekte daran, dass bereits die vor zwei Jahren von ihr kuratierte und eröffnete Ausstellung „Diese Kunst.this art – generation apps“ als Schlusspunkt zu 25 Jahren Ausstellungstätigkeit ihres Vereins geplant war. Frei Otto, der berühmte Architekt, war in dieser Ausstellung Ende 2014 mit einigen Werken vertreten und zu Gast in der Galerie. „Wer macht jetzt die Theorie weiter?“, diese Worte Frei Ottos, der zwei Monate nach Ende der Sindelfinger Ausstellung verstarb, die seien es gewesen, sich noch einmal an eine Ausstellung zu machen, erklärte Ingrid Burgbacher-Krupka zur jetzigen Ausstellung „Zeitkapsel“.

Was „Zeitkapsel“ nun bietet, ist das Ergebnis eines Blicks kommender Künstlergenerationen auf Stadt und Aktivitäten von Kunst und Projekte aus 25 Jahren. Wie oftmals die Vereinsaktivitäten und schon das erste bedeutende Sindelfinger Werk der Gegenwartskunst, das Foto von Picasso-Fotograf David Douglas Duncan „Ghost of Sindelfingen“ mit einem zum roten Farbschleier verwischten Mercedes 300 SL am Schaffhauser Platz von 1954, so inspiriert Daimler auch viele der jetzt gezeigten Arbeiten, etwa als roter Daimler-Sportwagen in einer Installation von Mirce Velarde-Lijehut.

Oder ganz anders die auf Video dokumentierte Performance von Mio Okido, die mit dem unterwürfigen Akt des Kahlscherens vor einer Überwachungskamera am Daimler-Zaun Machtverhältnisse thematisiert und erprobt, genau so wie einst Okidos Professor Hannes Brunner, der OB Dr. Bernd Vöhringer im Interview einst vorgeschlagen hatte, sein Amt an Daimler zu verschenken.

Unübersehbar hat vor der Galerie Darius Sidlauskas, Künstlername „SD Drua“ seine Skulptur „Race of race“ aufgebaut: ein Mercedes-Kunst-Rennwagen, dessen Umbaugestalt auf Graffitis unbekannter Daimler-Mitarbeiter im Werk zurück geht. Auch eine Performance von Gabriel Hensche und Julia Wirsching, die am Samstag, 24. September, in der Galerie gezeigt wird, schlägt die Brücke zum Autokonzern: Neun Daimler-Mitarbeiter, aktiv in Daimler Big Band oder Daimler-Sinfonierorchester, werden die Performance improvisierend ausführen.

Allabendlich um 18 Uhr bis zum Ausstellungsende am 25. September, macht sich ein weiterer Inspirationsquell bemerkbar: Sindelfingens Stadtgeschichte. Varinka Schreurs hat im Gewölbekeller unter der Goldschmiede von Andreas Hauser eine Anlage installiert, die täglich 15 Minuten Nebel aus den Kellerschächten auf den Schaffhauser Platz bläst. Die Leipziger Studentin ließ sich anregen von Spekulationen um Mysteriöses aus der Sindelfinger Geschichte wie vermutete Geheimgänge vom Stift in die ummauerte Stadt.

Den Fokus auf die Ausstellungsgeschichte von Kunst und Projekte richtet Ruven Wiegert mit seiner Gitter-Skulptur „Zeitkapsel – Kommunikationsarchitektur“, die wie ein imaginäres Museum Bilder und Dokumente aller vergangenen Ausstellung zeigt, vom Besucher frei kombinierbar. Äußerlich nüchtern in Archivar-Attitüde und streng im Titel (Die Wahrheit über Sindelfingen) tritt die Installation mit städtischen Büromöbeln von Dirk Reimes auf. Die darin präsentierten 500 Scans mit Objekten aus drei Sindelfinger Haushalten, nachzublättern in drei Ordnern, durchkreuzen durch ästhetischen Überschuss des gefällig Arrangierten wie Flaschenböden freilich diese Wahrheits- und Dokumentationsanmaßung ironisch.

Da viele der Arbeiten Performance-Charakter haben, ist die ansprechende Präsentation im Museum naturgemäß schwer. Eine Ausnahme ist der außer Konkurrenz gezeigte Kurzfilm von Collin Siyuan Chinnery „Warmth“, der in hochästhetisch-ruhigen Bildern mit durch Wasserdampf zum Aufsteigen gebrachte, froststarre Schmetterlinge zeigt. Eine beunruhigende chinesische Metapher zum Thema Freiheit.

Info

Bis 25. September, Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 11-17 Uhr. Performance mit Mitgliedern von Daimler-Sinfonieorchester und Daimler Big Band am Samstag, 24. September, 18 Uhr.

„Zeitkapsel“ in der Galerie der Stadt Sindelfingen: Shona Stark (rechts) an ihrer Installation Paths. Bild: Heiden

Wie schützt man sich gegen Hagelschäden? Diese Frage stellen sich viele Obstbauern, Winzer oder auch Versicherungen. Netze über Obstplantagen zu spannen ist eine Variante. Doch Hagelschäden werden auch schon in der Luft bekämpft: Dazu verbrennt Frank Kasparek in 500 bis 1000 Meter Höhe ein Silberiodid-Aceton-Gemisch in die wasserreichen Wolken mit starken Auf- und Abwinden. Die feinen Aschepartikel sollen dazu beitragen, dass sich vermehrt Hagelkörner bilden, die dadurch kleiner bleiben und keine Schäden verursachen, wenn sie auf den Boden prallen – oder die idealerweise schon geschmolzen sind, bevor sie am Boden ankommen. Wichtig ist dabei, dass der Pilot dem Hagel möglichst früh beizukommen versucht – am besten, bevor sich der Hagel überhaupt gebildet hat.

Wenn morgens absehbar ist, dass sich im Laufe des Tages ein Gewitter entladen könnte, wird eine Bereitschaft eingerichtet. Frank Kaspareks Firma FK Aviation besitzt drei Flugzeuge mit seitlich angebrachten Generatoren, in denen in einer Brennkammer Aceton mit sechs Prozent Silberiodid-Anteil verbrannt wird – bei einer Temperatur von 800 bis 1000 Grad. Die Maschinen sind in Stuttgart und Karlsruhe stationiert und gehen für drei Auftraggeber in die Luft: für den Rems-Murr-Kreis, die Württembergische Gemeindeversicherung und für die Hagelabwehr Ortenau, einen Verein, in dem sich unter anderem Weinwirtschaft, Tabakanbau und die Badische Versicherung zusammengeschlossen haben. Mit dabei ist übrigens auch Mercedes Benz, unter anderem zum Schutz der edlen Karossen auf den Abstellplätzen für Neuwagen. Die Autobauer haben dazu ihr Engagement in der Hagelabwehr erhöht und zahlen bis 2021 jährlich 10 000 Euro in die gemeinsame Kasse – doppelt so viel wie bislang.

Im Ernstfall fliegen die Piloten den Gewittern entgegen. Ob sich während des Gewitters Hagel bildet, wissen die Einsatzkräfte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auf ihrem Radar können die Piloten beobachten, ob sich das Gewitter verstärkt oder abschwächt, und entscheiden dann: impfen oder nicht. „Eine feucht-labile Luftmasse, die von der Sonne aufgeheizt wird, dazu in der Höhe kalte Luft“ – das seien Faktoren, die die Hagelbildung begünstigen, sagt Frank Kasparek. Der Einsatz dauert so lange, bis sich das Gewitter aufgelöst hat oder bis es durch das zu schützende Gebiet durchgezogen ist.

Unumstritten ist die Methode nicht. Manche Experten bezweifeln, ob das Impfen auch tatsächlich einen nachweisbaren Effekt hat. „Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass es funktioniert oder nicht funktioniert“, sagt Frank Kasparek. Er glaubt, dass in den „geimpften“ Gebieten ein positiver Effekt festzustellen ist – also weniger Schäden. Kasparek verweist dabei auf zwei Gewitterzellen, die am 28. Juli 2013 vom Schwarzwald in Richtung Alb und Sindelfingen/Ludwigsburg gezogen sind. Während das Unwetter im Raum Reutlingen/Tübingen Schäden in Milliardenhöhe anrichtete, habe man den Hagel zwischen Sindelfingen und Ludwigsburg erfolgreich bekämpft.

Frank Kasparek schränkt aber ein: „Das sagt natürlich nicht aus, dass die Methode immer funktioniert – es ist keine Vollkaskoversicherung.“ Langzeitstudien aus den USA belegt jedoch, so Frank Kasparek, dass die Hagelschäden um etwa 50 Prozent reduziert werden können. Der Hagel-Pilot rechnet damit, dass sich die Gewitterproblematik künftig wegen des Klimawandels eher noch verschärft.

Der Pilot steuert sein Flugzeug in die bis zu 100 Stundenkilometer schnellen Aufwinde der Gewitterfront. „Angst darf man nicht haben, aber man sollte gesunden Respekt haben. Gefährlich wäre eine Kombination von Auf- und Abwind, Eisbildung und Turbulenzen. Aber als gefährlich stufe ich unsere Arbeit nicht ein – wir wissen, was wir tun, und wir fliegen ja nicht direkt in die Gewitter rein“, sagt der Rohrauer. Auch vor Blitzen hat er keine Angst, denn das Flugzeug wirkt – ähnlich einem Auto – wie ein Faradayscher Käfig. Risiken erkennt der Rohrauer eher auf der Straße als in der Luft: „Brenzlige Situationen erlebe ich eher auf der Autobahn. In der Luft sind nicht so viele Leute unterwegs“, sagt Frank Kasparek.

Mit der Fliegerei begonnen hat Frank Kasparek schon als 14-Jähriger – damals machte er sich auf dem Poltringer Flugplatz mit dem Segelfliegen vertraut. „Das ist eine Grundlage, von der ich heute noch zehre“, blickt er zurück. Mit 20 Jahren erwarb der in Herrenberg aufgewachsene Kasparek die Motorfluglizenz, später ließ er sich zum Fluglehrer ausbilden. Diese Kenntnisse gibt er nun als Ausbildungsleiter beim Flugsportverein Herrenberg an die künftigen Piloten weiter. Über seine Tätigkeit als Fluglehrer kam Kasparek auch zur gewerblichen Fliegerei und ließ sich zum Berufspiloten ausbilden. Er ist berechtigt ein- und zweimotorige Flugzeuge zu steuern.

Seit 2006 fliegt der 46-Jährige als „Hagel-Pilot“. Dies alles übrigens nicht im Hauptberuf, denn seine Brötchen verdient der Rohrauer vor allem in der IT-Branche. Doch die Hagelfliegerei bereitet ihm viel Freude: „Das ganze Thema Naturgewalten ist interessant, vielseitig und komplex.“

Frank Kasparek am Generator seiner Maschine, in dem das Silberiodid-Aceton-Gemisch verbrannt wird. Bild: z